Tropfen rinnen die Wände herunter und unser Zeitplan fällt ins Wasser. Hohe Luftfeuchtigkeit, ein defekter Trockner und fehlende Kommunikation kosten uns Nerven und Geld. Die Ursache: fehlende Kommunikation zwischen den Gewerken. Was genau passiert ist und wie es jetzt weiter geht.
Probleme bei der Estrichtrocknung: Ursachen für Feuchtigkeit im Haus
Im Februar stand ein wichtiger Meilenstein an: das Aufheizen des Estrichs. Dieser Prozess verhindert spätere Risse durch Temperaturunterschiede. Das sogenannte Belegreifheizen macht den Estrich bereit für die Bodenbelagsarbeiten, denn zu viel Restfeuchte im Estrich kann den Bodenbelag beschädigen.
Estrich aufheizen: Mobile Heizung statt Wärmepumpe
Aufgeheizt wird der Estrich über die Fußbodenheizung. Obwohl unsere Wärmepumpe bereits im Technikraum steht, riet der Bauleiter von der Nutzung ab. Dies könnte die Lebensdauer beeinträchtigen und die volle Effizienz könne nicht erreicht werden, da das Estrichprogramm eine wesentlich höhere Vorlauftemperatur benötigt als der reguläre Betrieb. Die Alternative: eine mobile Elektroheizung, angeschlossen an den Vor- und Rücklauf der Fußbodenheizung.
Beim Aufheizen setzt der Estrich enorme Wassermengen frei und brachte damit nicht nur uns ins Schwitzen.
Kondenswasser im Neubau: Die Folgen fehlender Dämmung
Hohe Luftfeuchtigkeit ist bei der Estrichtrocknung normal. Die richtigen Maßnahmen verhindern normalerweise Schäden. Bei uns fehlte zu diesem Zeitpunkt noch das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) an einigen Außenwänden. So entstand Kondenswasser. Denn an den kalten Oberflächen der unisolierten Außenwände kondensierte die warme, feuchte Innenluft. Hunderte Wassertropfen bildeten sich an den Betondecken und auf dem Innenputz.
Spätestens hier hätte man mit Bautrocknern den Bau vor Feuchtigkeit und Schimmel schützen müssen. Doch passiert ist erstmal wenig.
Kommunikationsprobleme auf der Baustelle
Fehlende Abstimmung, ungeklärte Zuständigkeiten und wir Bauherren erfahren davon nichts. Schon bei unserem ersten Besuch auf der Baustelle nach dem Start der Trocknung lag die Luftfeuchtigkeit bei fast 100 Prozent. Der Maler hatte zwar Bautrockner aufgestellt, doch eine Woche später gab es keine Veränderung.
Nach einem Hinweis beim Bauleiter sollte sich nun alles ändern. Doch auch bei unserem nächsten Besuch blieb die Lage gleich: Die Behälter der Luftentfeuchter waren leer und die Wände nass.
Die Baustelle liegt rund eine Stunde entfernt von unserem aktuellen Wohnort und dem Büro unserer Architekten. Damit jemand regelmäßig vor Ort ist und den Überblick behält, hat das Architekturbüro einen externen Bauleiter engagiert. Das hat gut geklappt. Bisher.
Fehlender Strom und defekter Bautrockner
Zunächst gab es Diskussionen um die Stromzuleitung. Die Kabel vom Baustromkasten führten über die Haustür ins Innere. Sie hätten jeden Tag eingesteckt werden müssen. Wegen niedrigen Temperaturen im Winter arbeitete dort keiner und es gab auch keinen, der das Haus betrat.
Die einfache Lösung: Das Stromkabel über ein Fenster dauerhaft ins Haus führen. Von dieser Idee mussten wir den Bauleiter erst überzeugen. Endlich gab es Strom. Aber wer leert die Auffangbehälter der Bautrockner? Niemand fühlte sich verantwortlich. Mit einem sieben Liter Kanister blieb die Menge an Wasser, die aus der Luft geholt wurde, weiterhin überschaubar. Der zweite Trockner funktionierte gar nicht.
Wieder brauchte es unsere Nachfrage: Warum führen die Bautrockner das Wasser nicht direkt über den Abfluss ab? Und mit einer deutlichen Beschwerde wurde der defekte Trockner getauscht und die Geräte mit Schläuchen direkt an den Abfluss angeschlossen. Die Feuchtigkeit sank innerhalb weniger Tage rapide.
Wir haben die Situation zu lange beobachtet mit der Hoffnung, dass unsere Hinweise ausreichen, damit die Beteiligten das Problem lösen. Unsere wichtigste Erkenntnis aus dieser Phase: Schneller eskalieren.
Frostschäden am Innenputz: Putzabplatzungen durch Kondenswasser
Die anhaltende hohe Luftfeuchtigkeit im Haus verursachte Schäden. An einigen Innenwänden gefror das Kondenswasser vor Beginn der Aufheizphase. Dies führte zu lokalen Putzabplatzungen. Unser Innenputzer behob den Schaden durch Abschleifen und eine neue Schicht Multi-Finish.
Fazit Estrichtrocknung: Zeitverlust und unnötige Stromkosten
Ohne Lüften oder Bautrockner kann die Feuchtigkeit nicht aus dem Gebäude entweichen. Die Folgen für unser Projekt:
- Schäden am Putz: Zunächst Schäden durch aufgefrieren, welche schnell von unserem Innenputzer behoben wurden, später hat sich noch eine Sinterschicht auf einigen Wänden gebildet, welche der Maler dann großflächig abschleifen musste.
- Bauverzögerung: Der Zeitplan verschob sich um mindestens zwei Wochen. Zum verzögerten Startpunkt des Innenausbaus hatten Maler, Fliesen- und Parkettleger teilweise bereits andere Aufträge geplant und sie mussten ihre Arbeiten bei uns abermals verschieben.
- Zusatzkosten: Die mobile Elektroheizung lief ohne Trocknungserfolg länger als geplant. Dies erhöhte die Stromkosten unnötig. Die Bautrockner liefen lange gar nicht, kosteten uns aber Miete. Zumindest die zusätzliche Miete der Luftentfeuchter mussten wir nicht bezahlen.
Wer berufstätig ist und nicht täglich Stoßlüften oder Wasserbehälter leeren kann, braucht eine funktionierende Koordination vor Ort. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, sollte man nicht abwarten und statt netten Hinweisen klare Ansagen machen.
Gesamtkosten der Estrichaufheizung und Trocknung
| Endkosten | |
|---|---|
|
Stromkosten
~5.000kWh für Aufheizen und Trocknung |
1.550,00 € |
|
Mobiles Heizgerät
Miete und Installation von Mobiler Heizung |
1.100,00 € |
|
Bautrockner
Miete und Lieferung |
166,00 € |
| Gesamt | 2.816,00 € |
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